Fliesen & Material
Rutschfeste Fliesen: Welche R-Klasse ist wo sinnvoll?
Rutschfeste Fliesen: Welche R-Klasse ist wo sinnvoll? – Fachwissen, Praxistipps und rechtliche Vorgaben für Bauherren und Modernisierer von Fachbetrieb Tezgel.
24. September 20265 Min. Lesezeit
Praxis-Leitfaden von Fachbetriebsleiter Deniz Tezgel: R9 bis R13, A bis C: die Rutschhemmungsklassen nach DIN EN 16165 verständlich erklärt. Wo sie Pflicht sind, was im Privathaus empfehlenswert ist und warum rutschfest nicht schwer zu reinigen sein muss.
Ein nasser Duschboden, eine Außentreppe im Regen, ein Flur, über den im Winter Schneematsch getragen wird: An vielen Stellen im Haus entscheidet die Oberfläche der Fliese darüber, wie sicher Sie unterwegs sind. Die Rutschhemmung von Bodenbelägen wird in Klassen angegeben. In diesem Beitrag erklären wir, was R9 bis R13 und die Bewertungsgruppen A, B und C bedeuten, wo sie vorgeschrieben sind und welche Klassen sich im Privathaus als Orientierung bewährt haben.
Die Grundlage: DIN EN 16165
Die Rutschhemmung von Bodenbelägen wird heute nach DIN EN 16165 ermittelt. Die europäische Norm hat die früheren deutschen Prüfnormen DIN 51130 (Prüfung mit Schuhen) und DIN 51097 (Prüfung barfuß) abgelöst. Die bekannten Einteilungen in R-Klassen und in die Bewertungsgruppen A, B und C werden weiterhin verwendet. In älteren Datenblättern und Ausschreibungen finden Sie deshalb häufig noch die alten Normbezeichnungen.
Bei beiden Verfahren läuft eine Prüfperson auf einer schiefen Ebene, deren Neigung schrittweise erhöht wird. Gemessen wird der Winkel, bei dem sie keinen sicheren Halt mehr findet. Je größer dieser Winkel, desto höher ist die Rutschhemmung.
R-Klassen: Bereiche mit Schuhen
Für Bereiche, die mit Schuhen begangen werden, wird mit genormten Prüfschuhen auf einer mit Öl benetzten Fläche geprüft. Daraus ergeben sich fünf Klassen:
| Klasse | Neigungswinkel | Rutschhemmung |
|---|---|---|
| KlasseR9 | Neigungswinkel6° bis 10° | Rutschhemmunggering |
| KlasseR10 | Neigungswinkelüber 10° bis 19° | Rutschhemmungnormal |
| KlasseR11 | Neigungswinkelüber 19° bis 27° | Rutschhemmungerhöht |
| KlasseR12 | Neigungswinkelüber 27° bis 35° | Rutschhemmunggroß |
| KlasseR13 | Neigungswinkelüber 35° | Rutschhemmungsehr groß |
R12 und R13 sind vor allem für gewerbliche Küchen, Werkstätten oder Produktionsbereiche gedacht. Im Wohnhaus spielen in der Regel R9 bis R11 eine Rolle.
Bewertungsgruppen A, B und C: Barfußbereiche
Für Bereiche, in denen Menschen barfuß gehen, wird barfuß auf einer mit Seifenlösung benetzten Fläche geprüft:
| Bewertungsgruppe | Mindest-Neigungswinkel | Typische Bereiche |
|---|---|---|
| BewertungsgruppeA | Mindest-Neigungswinkel12° | Typische BereicheBarfußgänge, überwiegend trockene Bereiche |
| BewertungsgruppeB | Mindest-Neigungswinkel18° | Typische BereicheDuschen, Beckenumgänge |
| BewertungsgruppeC | Mindest-Neigungswinkel24° | Typische BereicheTreppen ins Wasser, geneigte Beckenränder |
Die Bewertungsgruppen sind unabhängig von den R-Klassen. Eine Fliese kann zum Beispiel R10 und zugleich B erreichen – beides wird getrennt geprüft und im Datenblatt ausgewiesen.
Pflicht oder Empfehlung?
In Arbeitsstätten sind die Anforderungen verbindlich geregelt. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.5 „Fußböden" nennt für zahlreiche Arbeitsräume und -bereiche die jeweils erforderliche Bewertungsgruppe der Rutschgefahr. Für Barfußbereiche, etwa in Bädern oder Umkleiden öffentlicher Einrichtungen, gibt es ergänzende Regelwerke der Unfallversicherungsträger.
Im Privathaus gibt es keine gesetzliche Pflicht zu einer bestimmten R-Klasse. Die Klassen und Empfehlungen aus dem gewerblichen Bereich sind aber eine gute Orientierung, um für jeden Raum die passende Oberfläche zu wählen.
Orientierungswerte für Bad, Küche, Flur, Treppe und Terrasse
Die folgenden Werte sind typische Empfehlungen für Wohngebäude, keine Vorschrift. Im Einzelfall kommt es auf Nutzung, Bewohner und Umgebung an.
| Bereich | Typische Orientierung |
|---|---|
| BereichWohnräume, Schlafzimmer | Typische OrientierungR9 |
| BereichBad, Boden außerhalb der Dusche | Typische OrientierungR9 bis R10 |
| BereichBodengleiche Dusche | Typische OrientierungR10 bzw. Bewertungsgruppe B |
| BereichKüche | Typische OrientierungR9 bis R10 |
| BereichFlur und Eingangsbereich | Typische OrientierungR9 bis R10, dazu eine Sauberlaufzone |
| BereichInnentreppe | Typische OrientierungR9 bis R10, dazu gut erkennbare Stufenkanten |
| BereichBalkon, Terrasse, Außentreppe | Typische OrientierungR10 bis R11 |
Bei der bodengleichen Dusche hilft neben der Oberfläche auch das Format: Kleinere Fliesen oder Mosaik haben mehr Fugen, die zusätzlichen Halt geben, und lassen sich leichter ins Gefälle legen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Duschrinne oder Punktablauf. Für Außenbereiche gilt zusätzlich: Die Fliesen müssen frostbeständig sein. Mehr dazu auf unserer Seite Balkon & Terrasse.
Rutschhemmung und Reinigungsaufwand
Eine höhere Rutschhemmung entsteht meist durch eine rauere oder stärker strukturierte Oberfläche. Das hat eine Kehrseite: In einer rauen Oberfläche bleibt Schmutz leichter haften, und die Reinigung wird aufwendiger.
Deshalb gilt: So rutschhemmend wie nötig, so glatt wie möglich. Eine R11-Fliese in der Küche bringt im Alltag kaum mehr Sicherheit, macht aber mehr Arbeit. Moderne Oberflächen mit feiner Mikrostruktur verbinden eine ordentliche Rutschhemmung mit guter Reinigungsfähigkeit. Achten Sie außerdem darauf:
- Pflegemittel ohne filmbildende Zusätze zu verwenden, denn Wachs- oder Pflegefilme können die Rutschhemmung verringern.
- Polierte Oberflächen nur dort einzusetzen, wo der Boden trocken bleibt.
- die Angaben im Datenblatt zu prüfen: Die Klasse gilt für die geprüfte Oberfläche, nicht für eine ganze Serie.
Barrierefreiheit: Trittsicherheit im Bad
Für barrierefreie Wohnungen verlangt DIN 18040-2 rutschhemmende Bodenbeläge im Sanitärraum. Besonders im Duschbereich ist eine gute Trittsicherheit wichtig, weil dort barfuß auf nassem Boden gegangen wird. Wer ein Bad altersgerecht oder barrierefrei plant, sollte die Oberfläche daher gemeinsam mit Gefälle, Duschrinne und Bewegungsflächen betrachten. Einen Überblick gibt unsere Seite zum barrierefreien Bad.
Fazit
R9 bis R13 beschreiben die Rutschhemmung in Bereichen mit Schuhen, A bis C die in Barfußbereichen, ermittelt nach DIN EN 16165. In Arbeitsstätten sind die Klassen über die ASR A1.5 verbindlich, im Privathaus dienen sie als Orientierung. Für die meisten Wohnräume reicht R9 bis R10, in der Dusche empfiehlt sich R10 bzw. B, außen R10 bis R11. Wählen Sie die Rutschhemmung passend zum Raum – nicht so hoch wie möglich.
Sie sind unsicher, welche Oberfläche für Ihr Bad, Ihre Treppe oder Ihre Terrasse passt? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf – wir beraten Sie bei der Auswahl und verlegen Ihre Fliesen fachgerecht.
Verfasst von
Fliesenverlegung Tezgel
Deniz Tezgel · Inhaber & Fachbetriebsleiter
Eingetragener Fachbetrieb der HWK Wiesbaden – Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerbetrieb mit Sitz in Aßlar.
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